Die Saarländer „Wanderreigen“ wissen mit ihrem Debüt „Rum und Ratten“ zu überraschen. Die Band um Benjamin Setz bietet einem mit Folkrock mit einer guten Portion Metal das einem beim Reinhören erfasst eine sehr gute Unterhaltung, aber es ist auch die ein oder andere ruhigere Ballade („Hast du mich hergeführt?“ „Der Schmied“) darunter. Bei einigen Musikstücken musste ich spontan an Schandmaul denken, aber dennoch ist der Klang und das Arrangement von „Wanderreigen“ einzigartig, sie haben ihren eigenen Stil, und das ist auch gut so.
Die Band „Wanderreigen“ selber existiert schon seit 2007, war damals aber hauptsächlich auf Festivals (Rock Area Festival) oder lokalen kleineren Konzerten aktiv. Nachdem 2009 viele von der ursprünglichen Besetzung abgesprungen sind sah es erst gar nicht gut um „Wanderreigen“ aus, da jedoch einige befreundete Aushilfsmusiker einsprangen konnten noch einige Auftritte wahrgenommen werden. Kurz vor dem endgültigen Aus der Band kamen über den Bekanntenkreis vollwertige Mitglieder zu „Wanderreigen“, die maßgeblich an dem jetzigen Sound der Band prägen. 2010 waren sie wieder auf Festivals aktiv, und die Nachfrage der Zuhörerschaft nach einem Album stieg. Im Oktober 2011 schließlich veröffentlichten sie schließlich ihr Debüt „Rum und Ratten“ als Eigenrelease und dieses wurde am 09.03.2012 in den Katalog des Labels Sonorium übernommen. Soviel als kurzer Überblick zu der Bandgeschichte bisher.
Zurück zu der CD. Auf der Scheibe sind insgesamt 11 Lieder zu finden die gute 55 Minuten Unterhaltung bieten. Eröffnet wird das Werk mit dem Lied „Lebenskraft“, das erst noch ruhig beginnt aber schnell anwächst. Ein guter Einstieg in das Album, das schon ein großes Repertoire der Band offenbart. Gefolgt wird es von „Der Schmied“, das mehr um einiges „folkiger“ ist als „Lebenskraft“ und eine andere Seite von „Wanderreigen“ offenbart. Das „Tanzlied“ das nun folgt ist wieder rockiger und deutlich metallastiger als „Der Schmied“ und „Lebenskraft“. Dennoch ist es noch die selbe Band, die ersten 3 Lieder stecken schon das ungefähre Gebiet ab, in der sich das Album als ganzes bewegt. „Die Schlacht“ geht wieder vom Stil her in Richtung „Lebenskraft“, rockig, mit Gitarren, die aber nicht so vordergründig und hart sind wie beim „Tanzlied“ und Sackpfeifen die das Lied durchweg begleiten. Der „Nordstern“ ist meiner Meinung nach auch ein Lied in das, wenn sich die Gelegenheit bietet, rein gehört werden sollte. Wieder begleitet von Sackpfeifen und Geigen, dennoch auch rockigere Szenen. Sehr schön um die Band kennen zu lernen. Mit dem Titelgeber des Albums „Rum und Ratten“ begibt sich „Wanderreigen“ unter die Piratenflagge. In diesem Lied wechseln sich rockigere Parts und mehr folkiges gekonnt ab, ohne sich groß zu vermischen. Insgesamt zeigt Wanderreigen wiedermal was sie alles kann. „Die Flut“ hat einen sehr eingängigen Refrain der schon beim zweiten Anhören einen dazu animiert mitzusingen. Ansonsten biete das Lied stilistisch wenig neues, was bisher auf dem Album noch nicht zu hören war. „Die Spielmannsseele“ ist ein beschwingtes leichtes Lied, das sehr stark von der Geige und den Sackpfeifen im Refrain dominiert wird, was aber nichts Schlechtes ist. Es lädt fast zum mittanzen ein. Wobei die Gitarrensolos dazwischen eher zum gepflegten Kopfschütteln anregen. „Hast du mich hergeführt?“ - ein Lied mit einer melancholischen Grundstimmung. So kann Wanderreigen auch klingen. Ein schönes Lied, das mit der Abnahme der Abspielzeit anwächst, aber nicht die Grundstimmung bis zum Ende aufgibt. „Wanderreigen“ wieder beschwingt und als ich es zum ersten Mal hörte hatte ich irgendwie an „Van Canto“ denken müssen, die sicherlich auch auf einen ähnliches Thema mit Text kommen hätte können. Auch ein schönes Lied, um jemanden die Band näher zu bringen, oder die Band selbst kennenzulernen. Der Abschluss des Albums macht ein reines Instrumentalstück, das die Band auch ohne Gesang glänzt. Und selbst ohne den Titel zu kenne kommt man fast schon von selbst innerhalb der ersten 20-30 Sekunden auf den Titel des Songs – nämlich „Irish Song“ und damit auch ein gelungener Abschluss des Albums.
Insgesamt ist das Album gut gemischt, die Instrumente sind niemals dominant, so dass der Gesang auch meistens deutlich bleibt. Auch ansonsten überlappen die Instrumente niemals zu einem undeutlichen Musikbrei, sondern man kann immer alles heraushören.
Um „Wanderreigen“ kennenzulernen oder anderen Leuten zu präsentieren empfehle ich die Lieder „Wanderreigen“ und „Nordstern“. Insgesmat ist das Album auch so sehr schön gelungen das nur zwei Fragen für mich übrig lässt. Und zwar: Erstens – wann ist die Band mal bei mir irgendwo Live in der Nähe? Und zweitens – wann kommt das Folgealbum, und wie wird sich die Band darauf anhören?